Willi
Kissmer Enthüllen und Offenbaren
von Colmar Schulte-Goltz
Körper ohne Kleidung sind für uns eine Alltagserfahrung. Zudem
zeigen sie sich in der Öffentlichkeit reproduziert in Illustrierten
und auf Plakaten. Hier treten sie nackt im Dienst der Werbung auf, interessanterweise
oft sogar für Kleidung. Eine Prise Provokation macht die Models
zum Hingucker am Rande der Pornografie und des rein männlichen
Blickwinkels.
Immer wieder erregt der Anblick unbekleideter
Frauen auch in der Kunst die Gemüter. In der Fotokunst z. B. Helmut
Newton, durch die zum Fetisch erhobenen langbeinigen Schönheiten
oder der Japaner Araki durch seine verschnürten Leiber. Gerade
Frauen fühlen sich durch Inszenierungen, die ihren Körper
in den Vordergrund stellen, oft in ihrer Persönlichkeit eingeschränkt
und fürchten typische Rollenklischees.
Die Arbeiten von Willi Kissmer setzen in ihrer Inszenierung
einen deutlichen Akzent der künstlerischen Aussage, und erheben
die Frau in der Ästhetik ihrer Erscheinung zum Kunstwerk. Kissmer
ist die Darstellung des unbekleideten Körpers, der Akt an sich,
zu anspruchslos.
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| Kissmer zeigt uns
seine Figuren niemals ganz, sondern verhüllt sie durch Farben
und Stoffe. Zugleich betonen die Draperien die Körperformen
in lasziver Delikatesse und dezenter Erotik. Erotik und Kunst
gehen in der Darstellung seiner verhüllten “Akte”
eine selbst-verständliche Allianz ein. |
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Willi Kissmer hat kein Interesse an der Abbildhaftigkeit,
schließlich ist er kein Bildnismaler und kommt keinen Porträtaufträgen
nach. Dementsprechend malt Kissmer auch niemals Dinge, die ihm nicht
gefallen. Ihm kommt es nicht darauf an, wie der Körper ist, sondern
wie er sein sollte!
Nach einer ersten, vielversprechenden Karriere als Gitarrist einer
Rockband entschloß sich Willi Kissmer 1971 an der Folkwangschule
Essen Kunst zu studieren. Innerhalb seines fünfjährigen
Studiums hat sich Kissmer bei Professsor Hermann Schardt, dem Gründungsrektor
der Folkwang-Hochschule auf die Ausführung von Radierungen und
Lithographien spezialisiert.
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Hatte sich Kissmer in
frühen Arbeiten hauptsächlich Stilleben alltäglicher
Objekte zugewandt, so beschäftigt er sich in seinen Arbeiten
heute hauptsächlich mit dem weiblichen Körper. |
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Die
Akte sind mit viel Gespür für leise Effekte stilvoll inszeniert.
Die Bildformate sind so gewählt, daß der Kopf nur angeschnitten
wird.
| Diese Beschränkung
auf den Torso hat zur Folge, daß ein Körper ohne Gesicht
anonymisiert und daher zeitlos wirkt, desgleichen werden durch die
Zäsur des Künstlers die Formen des körperlichen Zentrums
herausgestellt. Willi Kissmer weiß, daß der Torso an
sich ein Thema der Bildhauer ist, darum verzichtet er |
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bei diesen Darstellungen auf die Angabe eines Hintergrundes. Die Torsi
wirken wie auf einem Podest vom Umraum freigesetzt und entfalten eine
museale Wirkung. Die streiflichtartige Beleuchtung betont die plastische
Wirkung.
Der Blick in die Ausstellung betont das bevorzugte Bildformat des Künstlers,
das schlanke Hochformat. Zumeist ist der Körper in strenger Mittelachse
inszeniert und in frontaler Ansicht ins Bild gesetzt. Vor allem in den
Unikaten ist der Ausschnitt des Körpers gegenüber der Wirklichkeit
ungefähr 10 bis 15 % größer dargestellt. Die Ganzfigur
wäre deutlich überlebensgroß.
Kissmer hat keine Scheu vor den Traditionen des Kunstbetriebes und
mischt souverän Elemente der verschiedenen Gattungen. Zum sakralen
Bildtypus des Tryptichons kombiniert er profane Themen, wie Akte mit
Stoffdraperien von großer Innerlichkkeit. Gern sind die Körper
auch korrekt bekleidet; dann erscheint der dünne Stoff durchnäßt,
schmiegt sich eng an die Haut und zeichnet alle Konturen des Körpers
nach.
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